Der Stichbogen ist keine reine Verzierung, sondern eine bautechnische Antwort auf ein sehr konkretes Problem der Renaissance: Bauherren wollten breitere Fenster für mehr Tageslicht.
Ein gerader Fenstersturz konnte breite Öffnungen aber statisch nicht tragen. Der bis dahin übliche Halbkreisbogen der Romanik war zu hoch und passte nicht in die klaren Fassadenrhythmen der Renaissance-Bürgerhäuser. Die Lösung: der flache Stichbogen. Genug Bogenhöhe, um die Last des Mauerwerks über die Fensteröffnung zu leiten, aber flach genug für die neue Formensprache.
Prime-Zeit war Renaissance und Barock, klassisch in Bürgerhäusern und Rathäusern der Renaissance-Städte wie Nürnberg, Augsburg oder Lübeck. Später wurde die Form im Historismus der Gründerzeit wieder aufgegriffen. Heute finden Sie Stichbögen fast ausschließlich in Bestandsgebäuden, oft mit Denkmalschutz-Bezug.