Die Wurzel des Ovalfensters liegt in der französischen Barock-Architektur des 17. Jahrhunderts. Dort tauchte es als oeil-de-boeuf, also „Ochsenauge“, in Schlossbauten und repräsentativen Fassaden auf. Die Silhouette war ein bewusstes Stilmittel, das die strenge Symmetrie klassizistischer Bauten aufbrach.
In Deutschland wurde die Form im 19. Jahrhundert zum Gründerzeit-Klassiker. Zwischen 1870 und 1910 erhielten unzählige bürgerliche Mietshäuser und Villen ein Ovalfenster im Giebel, über der Haustür oder im Treppenhaus. Die Bezeichnung Ochsenauge etablierte sich als deutsche Übersetzung.
Heute wird das Ovalfenster sowohl bei der Sanierung historischer Gebäude als auch in der modernen Architektur eingesetzt. Im Altbau hilft es dabei, charakteristische Fassadendetails zu erhalten oder originalgetreu nachzubilden. Im Neubau setzt es einen bewussten gestalterischen Akzent und lockert die klassische Rechteckform auf.